9/27/2016

Das Drama des aufgesetzten Kindes

Oh wie schön. Sie sitzt ja.“ „Ja. Seit letzter Woche fällt sie nicht mehr um, wenn ich sie hinsetze.“ Kind, 8 Monate, verliert das Gleichgewicht und fällt ungebremst auf den Kopf, weint.

Szenen wie diese erlebe ich häufig. Kinder werden aufgesetzt, bevor sie selbst dazu in der Lage sind diese Position einzunehmen. Sie fallen um und sind unglücklich. Sie liegen auf Rücken oder Bauch und wollen aber sitzen, weil sie aufgesetzt wurden und wissen, dass sie dann mehr sehen. Sie weinen dann, weil sie Hilfe brauchen, in diese Position zu kommen.

Ein Blick in Remo Largos „Babyjahre“, Kapitel Motorik, zeigt: in der natürlichen und selbstständigen Bewegungsentwicklung krabbelt und robbt das Kind bevor es sich aus eigener Kraft auf den Hintern setzt. Und dann als Krönung dieser Entwicklungsstufe die Hände vom Boden nehmen kann. Wer sich einmal die Mühe macht, die Bewegungsentwicklung nachzuempfinden, der versteht vielleicht auch warum das Sitzen auf das Krabbeln folgt: das Kind muss sich zum einen mit der Schwerkraft auseinandersetzen und gleichzeitig seine Muskulatur, seinen Tonus aufbauen. Erst wenn es diese Herausforderung gemeistert hat, kann es sich auch sicher und unfallfrei aufsetzen.

Warum ist nun dieses selbstständige Aufsetzen so wichtig für das Kind? Ganz einfach, es erfährt sich dabei als kompetent:

In jeder neuen Position, die sie selbst erreichen , bleiben diese Säuglinge beweglich. Sie können im allgemeinen sofort oder nach wenigen Tagen diese Positionen verlassen und nach Wunsch wieder aufnehmen. Die Art, in der sie ihren Platz wechseln oder nach einem Spielzeug greifen, wie sie damit hantieren, all dies verändert sich im Laufe ihrer Entwicklung. Aber die Freude er Kinder, der Wunsch, die Initiative zu ergreifen, bleibt unverändert.“ (Pikler: Lasst mir Zeit. 2001:171).

Dieses Erfahren von Kompetenz ist es, was das Kind glücklich macht. Die neue Perspektive durch die veränderte Position ist in schöner Nebeneffekt, der natürliche wichtig für das Kind ist. Doch viel bedeutsamer als der Perspektivenwechsel ist das Gefühl, etwas aus sich heraus geschafft zu haben, nicht abhängig zu sein. Setzen wir das Kind auf, ohne dass es sich diesen Weg selbst erarbeiten konnte, nehmen wir ihm einen Teil seiner Erfahrungen mit sich selbst. Wir machen es von uns abhängig, denn es lernt: Ich brauche Hilfe, um mich weiterzuentwickeln. Das Kind wird mutlos und weinerlich, denn es hat verlernt, in sich selbst zu vertrauen.

Emmi Pikler schreibt dazu auch: „Da das Sitzen, Stehen oder Gehen ihrem Reifegrad noch nicht entspricht, dauert die verkrampfte, oder schlaffe Art, in der sie in der vom Erwachsenen erwünschten Position verharren, manchmal wochen- sogar monatelang an, ebenso die unkoordinierte, unharmonische Weise, in der sie ihre Bewegungen ausführen. Noch nicht reif dazu, selbstständig die Position, in die sie gebracht wurden oder die Qualität ihrer Bewegungen verändern zu können, werden sie daran gewöhnt – wir möchten sagen - werden dazu gezwungen, sich an fehlerhafte Bewegungen oder z.B. an ein Sitzen mit krummen Rücken zu gewöhnen.“ (ebd. 117).

Kinder, die aufgesetzt werden, obwohl sie es von sich aus noch nicht können, sind also gefährdet, sich für sie schädigende Haltungen anzugewöhnen.

Ich kann gut verstehen, warum sich eine Mutter oder ein Vater irgendwann denkt: Baby, es wäre so toll, wenn du jetzt sitzen könntest. Weil das Kind beim Essen immer auf dem Arm sein muss, wenn es nicht mehr im Laufgitter oder Stubenwagen zufrieden ist. Weil die Geschwister des Kindes den elterlichen Arm auch wieder beziehen wollen....usw.
In der Regel kann ein Kind sich mit 8-9 Monaten aus eigener Kraft hinsetzen. Geduld, Vertrauen und eine entsprechende sachliche Umwelt, in der das Kind seine Bewegungen entwickeln kann sind hilfreicher und besser für alle Beteiligten, als dem Impuls nachzugeben, das Kind aufzusetzen.


(Ich hoffe, es wird deutlich, dass sich aus den oben genannten Ausführungen jede Art von Sitzhilfe wie etwa Wippen u.ä. verbieten.)

9/25/2016

Wochenende in Bilder 24./25.09.2016

Dieses Wochenende lässt sich mit folgenden Worten zusammenfassen: Frühstücksrealität,  #Wubttika und Wuppertal.
Samstag war nur ein Bild drin im Familienleben.  Sonntag bin ich um 3.30 Uhr morgens aufgestanden und nach Wuppertal gefahren. Habe viele Menschen aus dem Internet getroffen. Einen Fotoworkshop mitgemacht und muss dass alles erstmal verarbeiten.  Weitete Wochenenden in Bildern gibt es wieder auf geborgen-wachsen.de







9/20/2016

Du bist toll. Genau richtig.

Liebe Mutter, die du mit deinem Kind meine Babyzeit-Gruppe besuchst. Du bist toll! Du bist ruhig und gelassen. Aufmerksam schaust du deinem Kind zu. Bist ganz bei ihm mit deinen Blicken, deinen Gedanken. Deinem Herzen. Ich sehe, wie du dich freust, über die das Hantieren und vertiefte Spiel deines Kindes. Dein Kind, eingewoben in das Netz deiner Liebe und deines Vertrauens, bewegt sich sicher, aufgeschlossen und aufmerksam durch den Raum. Es reagiert voller Interesse auf die anderen Kinder und Erwachsenen. Es nimmt Kontakt auf. Ohne Angst oder Scheu. Direkt und freundlich, ohne zu nah zu kommen. Genau richtig! Es arbeitet an seinen Bewegungen. Erstaunt uns alle mit seinem tun und braucht doch einzig und allein deine Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Liebe Mutter, dein Kind ist so toll, weil du so toll bist. Bleib so liebevoll, in Beziehung zu deinem Kind und lass dir von niemandem einreden, dass irgendwas bei euch beiden nicht stimmt. Du gibst deinem Kind, alles was es benötigt, um ein glückliches Kind zu sein. Geborgenheit, Halt, Zuneigung, Liebe. Du darfst dir selbst sicher sein.
Lass die stehen, die dir etwas anderes sagen oder behaupten, mit euch stimme etwas nicht. Sie sehen euch nicht.