5/23/2017

Wie Kinder Selbstbewusstsein entwicklen können

Am Sonntag konnte ich der Kleinen Dame dabei zuschauen, wie sie selbst über sich hinaus wuchs. Wir waren auf einem Spielplatz, der viele Klettermöglichkeiten bot. 
Ein "Rapunzelturm" auf den die Kinder entweder über Klettergriffe oder ein Gitternetz gelangen konnten. Dazu musste eine Art Sprossenwand überwunden werden. Die Abstände der Leisten waren sehr groß - gemessen an der Beinlänge der Kleinen Dame.
Nachdem die Kleine Dame ein paar Mal gerutscht war, versuchte sie sich an der Sprossenwand. ich lief dem Küken hinterher, die das Gelände erkundete. 
"Mama, ich habs  geschafft!" rief die Kleine Dame von der ersten Plattform. Ihre Backen waren rot vor Anstrengung, die Augen glänzten vor Freude. 
Das Küken und ich waren begeistert: "Wow, du hast es alleine geschafft.". 
Nun nahm sie sich das Gitternetz vor - langsam tastend arbeitete sie sich vor. Dabei stand ich auf ihren Wunsch neben ihr, helfen musste ich nicht. Auch diesen wackeligen Weg bewältigte sie alleine. Das Küken verlangte nach meiner Aufmerksamkeit, als ich mich der Kleinen Dame wieder zuwandte, erklomm sie gerade eine Steilwand. Leise und konzentriert sprach sie mit sich selbst: "Ich kann das. Ganz langsam. Ich bin stark." Sie schaffte es. Ruhte sich kurz aus und entschied, dass ihre Beine für den Abstieg auf der zweiten Sprossenwand zu kurz waren. Sie bat mich um Unterstützung, die sie bekam. Gemeinsam erarbeiteten wir einen für sie passenden Weg.
Unten angekommen fiel sie mir um den Hals. "Mama, hast du gesehen was ich kann. Ganz alleine." "Ja Kleine Dame. Das habe ich." Die nächste halbe Stunde verbrachte sie damit, mehrmals über den beschriebenen Parcours zu klettern, nur mit Sicherheitsunterstützung beim
Abstieg und sich abschließend neue Herausforderungen zu suchen.

Es ist egal, ob das Kind zum ersten Mal aus eigener Drehung vom Rücken auf den Bauch schafft oder einen Kletterparcours bewältigt. Das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit und die aufmerksame Teilnahme mit einem bewussten unterstützenden Eingreifen seitens der Erwachsenen sind es, die das Selbstbewusstsein des Kindes stärken, Das mühsame Erarbeiten einer Bewegung, eines Gerätes und das wunderbare Gefühl, wenn es gelingt, belohnt das Kind ausreichend.

4/18/2017

Bin ich eine gut genuge Mutter?

"Jedes  Kind hat eine gut genuge Mutter" - so ähnlich lautet ein Zitat von Anna Tardos (Emmi Piklers Tochter) das ich einmal auf einer Tagung von ihr hörte und gerne zitiere. Vor allem anderen Müttern gegenüber, wenn sie unsicher sind, ob sie ihren Job als Mutter gut machen. Es strahlt aus: Du bist in Ordnung, du machst das gut. 

Aber manchmal frage ich mich, ob das auch auf mich zutrifft. Vor allem nach Nächten, in denen meine Dreijährige erst mich und dann so langsam ein Familienmitglied nach dem anderem aus dem Schlaf brüllt. Heute nacht brauchte sie erst meine Nähe. Dann eine frische Windel. Dann wollte sie mit dem Papa kuscheln. Dann mochte sie seinen Atem nicht. Dann war er ihr nicht warm genug und sie wollte zu mir zurück. Da lag aber schon ihre Schwester und weinte, weil sie nicht schlafen durfte. Denn natürlich musste auch drei Mal das Licht angemacht werden, damit die Tochter trinken konnte. Nachts bin ich die schlechteste aller Versionen, die es von mir gibt. Ich schaffe es ungefähr zehn Minuten freundlich und gelassen zu bleiben. Dann kann ich nicht mehr.  Mein müdes Gehirn raunzt vor sich hin und spricht Dinge wie "Ich gehe jetzt gleich hier weg" aus. Mein Körper schmerzt. Meine Tochter weint. Brüllt. Gerät außer sich. Auch wenn ich nichts sage. Still bleibe. Meine Wut über den geraubten Schlaf runterschlucke. Sie ist manchmal untröstlich. Auch tagsüber bringen Kleinigkeiten wie zwickende Socken oder die falsche Farbe der Haarspange sie auf die Palme. Ich bin belesen und reflektiert. Ich weiß, wie ich eigentlich handeln sollte. 

Trotzdem kann ich es so oft nicht. Die Wut darüber, dass es nicht einmal einfach ist, dass immer alles genauso sein muss, wie sie es für sich braucht und alle anderen darunter leiden, wenn es nicht so ist. Diese Wut. Ich schäme mich dafür. Denn sie hat mich im Griff. Ich werde laut und grob. Ich will dann nur, dass es aufhört. Dieses Geschrei, Gezeter, Spucken, Stampfen, Sabbern. Die Emotionalität meiner Tochter ist beeindruckend. Alle, die es erleben konnten, waren fassungslos. Es ist meine größte Prüfung. Mehrmals täglich. Ich scheitere oft. "Mama, schrei mich nicht an. Kinder dürfen schreien. Mamas nicht!". In diesen Momenten bin ich weit davon entfernt, eine gut genuge Mutter für dieses Kind zu sein. Ich weiß das.

Es gibt viele gute Momente zwischen meiner Tochter und mir. In denen es leicht ist und wir lachen und sie sich nicht erschüttern lässt und ich mich auch nicht. Doch diese dunklen Momente, diese Wut im Bauch, die wäre ich gern los. Aber sie hat uns beide im Griff und meine Aufgabe als die Erwachsene ist es, damit umzugehen. Sie zu kanalisieren, nicht an ihr auszulassen. Ich gebe mein Bestes. Hoffentlich gut genug.


3/29/2017

Werbung: Auslosung der MonthlyCup - die Fotosstrecke

Endlich habe ich es geschafft -  Zeitumstellung sei Dank - die MonthlyCup auszulosen: